Mönchengladbach. Mit knapp einer Million Euro wird das Projekt „Algacore“ unter Leitung von Leon Blanckart, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik der Hochschule Niederrhein, vom Bund gefördert. Das Ziel: eine neuartige, nachhaltige Faserressource auf Basis von Süßwasseralgen zu entwickeln. Lange wurde nach einem möglichen Standort für das dafür notwendige Algenkultivierungssystem gesucht. Dank der Unterstützung von WFMG – Wirtschaftsförderung Mönchengladbach GmbH und Wissens- und Innovationscampus Mönchengladbach GmbH (WIC MG) ist nun klar: Das ehemalige Polizeipräsidium wird die neue Heimat des forschungsintensiven Innovationsprojekts.
Preise, Auszeichnungen und Förderungen hat Leon Blanckart mit seiner Idee, Textilfasern aus Algen zu entwickeln, bereits zuhauf eingeheimst. Vier Jahre lang förderte das damalige Bundes-ministerium für Bildung und Forschung ab 2022 sein Ursprungs-Projekt „AlgaTex“, das sich mit fädigen Grünalgen als potenziellem Faserstoff der Zukunft beschäftigte. In Gladbach gewann er 2023 das Stipendium „Startup.Starterkit.MG“ und 2024 die „TexTech Startup Night“, holte zudem Platz zwei bei der „From Lab to Market Challenge“ (FLTMC) im Henkel Inspiration Center in Düsseldorf. 2025 folgte der Sieg beim Nachwuchspreis „MehrWert NRW“ – übrigens gemeinsam mit einem weiteren Startup aus Mönchengladbach, Texterial (vormals Octo). Seit Frühjahr 2026 nun wird das Anschluss-Forschungsvorhaben „Algacore“ mit 968.000 Euro für 18 Monate über das Förderprogramm EXIST-Forschungstransfer, eine Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, gefördert. Das Ziel dahinter ist es zu zeigen, dass sich innovative Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen entwickeln lassen, die sowohl ökologisch sinnvoll als auch industriell nutzbar sind – im Sinne einer nachhaltigeren Textilproduktion.
Das alles bedeutet aber nicht automatisch, dass Flächen für den Aufbau einer Algenzuchtanlage, die gleichzeitig geeignet und günstig zur Hochschule Niederrhein gelegen sind, in Hülle und Fülle bereitstehen. Im Gegenteil: Erst nach längerer Suche und dank einer gemeinsamen Kraftanstrengung von WFMG und WIC MG konnte eine passende Halle identifiziert und mittlerweile auch von der Hochschule angemietet werden – auf dem WIC-Gelände. „Wir haben nun quasi den Luxus, alles an einem Ort gebündelt zu haben“, sagt Leon Blanckart. „Während an der Hochschule die materialintensive Forschung betrieben wird, können wir die dafür notwendige Biomasse sehr schnell in großer Menge beschaffen. Durch die Nähe zum WIC sparen wir uns lange Transportwege und können die Kultivierung schnell an neue Parameter anpassen.“
„Der gemeinsame Einsatz für Algacore durch WFMG, WIC MG und HNX, die Gründungsberatung der Hochschule, ist für mich ein Paradebeispiel dafür, wie wir in Mönchengladbach mit vereinten Kräften dafür sorgen können, innovativen Startups und Forschungsprojekten eine bestmögliche Ausgangsbasis für Wachstum zu bereiten“, sagt Jan Schnettler, Leiter Gründungs-Service bei der WFMG. „Damit im Idealfall das passiert, was sich alle wünschen: Sie schaffen eines Tages wissensbasierte, zukunftsfähige Arbeitsplätze innerhalb der Stadtgrenzen.“ WIC-Geschäfts-führerin Eva-Maria Heiß betont: „Es war schon eine Herausforderung für uns, diese Anmietung möglich zu machen – erstens stehen uns jahrelange Bautätigkeiten bevor, zweitens haben wir für Zwischennutzungen keine wirklichen Ressourcen. Aber unser Team hat mit großem Einsatz dafür gesorgt, es möglich zu machen. Inhaltlich war es ohnehin ein No-Brainer – denn Algacore verbindet Wissen und Innovation idealtypisch und passt somit perfekt zu uns.“
Die Installation einer ersten großen Algenkultivierungsanlage ist für Ende September geplant. Zusätzlich muss Beleuchtung installiert – wofür eigens eine Lösung aus LED-Paneelen entwickelt wurde – und ein System zur Ernte der Biomasse implementiert werden. „Das ist für alle Neuland, für den Anlagenbauer genauso wie für die Biologen – denn bislang hat niemand Erfahrung mit der Kultivierung fädiger Algen auf so großer Fläche“, sagt Blanckart. Das System werde ca. 35 qm Kultivierungsfläche umfassen. „Die Halle bietet zudem Platz für ein zweites System, das wir 2027 planen.“ Sollte das Vorhaben in die vorgesehene Firmengründung münden, „bietet der WIC zudem ausreichend Fläche, um mittelfristig Bürofläche und Produktion an einem Standort zu bündeln – ein entscheidender Standortvorteil. Flächenintensive Vorhaben wie unseres finden normalerweise weit außerhalb des Zentrums statt, während Büroflächen meist zentral liegen.“
Bis Herbst 2027 will das fünfköpfige Team die Forschungsergebnisse ausbauen und die Basis für eine Gründung schaffen. Wie die Hochschule mitteilt, zählt die EXIST-Bewilligung für Algacore „zu den seltenen Erfolgen von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in diesem Programm und unterstreicht die wissenschaftliche Qualität sowie das wirtschaftliche Potenzial des Vorhabens“. Fachlich begleitet wird das Projekt von Prof. Dipl.-Des. Ellen Bendt und Prof. Dr. Robert Groten aus dem Fachbereich Textil- und Bekleidungstechnik sowie vom HNX-Team für Existenzgründung. Stefanie Kutsch, Projektleiterin HNX, sagt: „Dass Algacore den Rohstoff nun fußläufig zur Hochschule gewinnen kann, ist ein unschätzbarer Vorteil. Wir als HNX und die Gründungsfabrik Mönchengladbach werden auch künftig die bestmögliche Unterstützung bieten, wenn es darum geht, das Projekt in ein tragfähiges Unternehmen zu verwandeln.“
Quelle: WFMG

Von links: Rahel Franzen (WIC MG), Fernanda Baum (Algacore), Ernst Bremges (WIC MG), Leon Blanckart (Algacore), Stefanie Kutsch (HNX), Atiqur Rahaman (Algacore), Jan Schnettler (WFMG) und Eva-Maria Heiß (WIC MG) vor der Halle, in der das Algenkultivierungssystem entsteht. | Foto: Felix Küster für WFMG