18. August 2026

Großmarkt ist keine Baustelle mehr: Neustart für einen besonderen Ort

Krefeld. Bald werden die letzten Baken, Absperrungen und Baustellenschilder vom Krefelder Großmarkt verschwunden sein. Die langjährige Sanierungsphase für die beliebte Ausgeh- und Einkaufsmeile ist damit beendet. Rund sechs Millionen Euro hat das
Zentrale Gebäudemanagement (ZGM) der Stadt Krefeld hier investiert, um die bald 100-jährige Tradition des Großmarkts in die Zukunft zu führen. „Das ist ein Sehnsuchtsort für viele Menschen“, sagt ZGM-Leiterin Astrid Schüßler. „Die Bauphase war für alle Beteiligten keine leichte Zeit. Aber hier ist so viel Energie, Power und Initiative hineingeflossen, dass jetzt ein guter Neustart möglich ist.“

Schüßlers Mitarbeiter Klaus Richter ist seit 2012 für den Großmarkt zuständig, seit 2018 betreut er die Projektentwicklung für das Areal. Er sagt: „Der Großmarkt war ein Rohdiamant, der geschliffen werden musste.“ Seinerzeit fand der Projektleiter neben einem enormen Instandhaltungsstau zahlreiche Leerstände vor, dazu alte Mietverträge mit unklaren Regelungen, illegal abgelagerten Müll und eine unklare Verkehrsführung. Planunterlagen waren unvollständig oder fehlten ganz. „Diese Situation hat sich im mangelnden Erscheinungsbild und in der sinkenden Aufenthaltsqualität des Großmarkts bemerkbar gemacht“, so Klaus Richter. Sogar
ein Verkauf des Areals zur kommerziellen Nutzung stand damals zur Debatte: „Oberbürgermeister Frank Meyer hat die einzig richtige Entscheidung getroffen – nämlich das Areal als Stadt weiterzuentwickeln.“

Dabei waren einschneidende bauliche Maßnahmen der wichtige erste Schritt. „Blick in die Zukunft heißt immer auch: Blick in die Vergangenheit“, sagt Klaus Perau, der die technischen Arbeiten am Großmarkt für das ZGM betreut hat. Die uralten und
maroden Abwasserkanäle mussten saniert, Gas- und Wasserleitungen erneuert werden. Ein Glasfasernetz wurde installiert. „Wir können jetzt unterirdisch rund 600 Kubikmeter Regenwasser auffangen“, erklärt Klaus Perau. „Das ist ausreichend für ein Regenereignis, das statistisch nur alle 100 Jahre vorkommt.“ Besonderen Wert legt er darauf, dass alle Arbeiten in enger Abstimmung mit den Mietern erfolgten: „Wir haben hauptsächlich in der biergartenfreien Zeit saniert.“

Ein weiterer Meilenstein für den Großmarkt war die Überarbeitung alter Mietverträge. Für Räume, die nur als Lagerflächen genutzt wurden, hat das ZGM sie komplett gekündigt, um stattdessen vermehrt Gastronomie, Handel und Veranstaltungsorte anzusiedeln. Die Verträge wurden einheitlich und rechtssicher gestaltet, es gilt die ortsübliche Gewerbemiete. „Wichtig war uns dabei, Vielfalt zu
schaffen“, betont Klaus Richter. „Vom Banker bis zum Punker sollen sich hier alle wohlfühlen.“ Erstmals seit sehr langer Zeit hat das ZGM auf diese Weise die Vollvermietung erreicht. Den letzten freien „Stand“, wie man in der traditionellen Begriffsprägung des Großmarkts sagt, wird in Kürze ein vietnamesischer Betreiber mit einem Mix aus Einzelhandel und Gastronomie übernehmen.

Um das Gelände besser in Ordnung zu halten, wurden in einem weiteren Schritt Verkehr und Infrastruktur neu geregelt. Das beginnt bei Hinweisschildern, setzt sich fort über die Optimierung von Parkflächen und endet bei großzügigen Stellplätzen für Fahrräder. „Früher standen hier manchmal bis zu 20 schwere Lastwagen, die nichts mit dem Großmarkt zu tun hatten“, sagt Klaus Richter. Um dies zu verhindern, wurden Schranken und Poller installiert, die Gastronomie-Zeile ist jetzt komplett verkehrsberuhigt. Die Vermüllung ist deutlich zurückgegangen, auch dank der neuen Papierkörbe. Bepflanzung verbessert den optischen Gesamteindruck, ein Hausmeisterdienst schaut regelmäßig nach dem Rechten.

Bei den Mietern kommen die Veränderungen gut an – so schwierig die Bauphase auch war. „Wir haben zwei Jahre nur auf die Stadt geschimpft“, sagt Dirk Matura, der auf dem Großmarkt das „Wine House“ betreibt. „Aber im Nachhinein muss man sagen: Das ist alles gut gelaufen. Wir mussten keinen einzigen Tag schließen, die Handwerker waren sinnvoll koordiniert.“ Für ihn sei der Großmarkt ein „Herzensprojekt“, so Matura: „Ich bin schon als Jugendlicher hierhergekommen.“ Im hinteren Bereich des Geländes werden die Betreiber des „Wine House“ künftig einen rund 1.000 Quadratmeter großen Biergarten in Container-Optik bespielen. Ein
„Ort für junge Leute“ soll das werden, wo auch mal Bands spielen oder DJs auflegen. „Der Großmarkt kann auch überregional funktionieren“, ist Dirk Matura überzeugt. „Ich stelle mir das vor wie früher in der legendären Rhenania-Allee. Hingehen und Leute treffen. Je mehr los ist, umso besser ist das für alle hier.“

Das bestätigt Edon Maloku, der vor einem Jahr das spanische Restaurant La Cañita am Großmarkt eröffnet hat. „Das hier war immer ein Treffpunkt für unterschiedliche Menschen“, sagt der Gastronom. „Die Stadt hat uns ein Entwicklungspotenzial
aufgezeigt. Und ich glaube daran, dass aus dem Großmarkt künftig noch ein größerer Anziehungspunkt werden kann.“ Die Mieter wollen dafür an einem Strang ziehen, erklärt Seyhan Hauenherm, die seit Jahren den Laden Olio Mediterraneo betreibt. „Ohne die Vielfalt der Angebote wäre der Großmarkt nur halb so kraftvoll. Wir sind sehr dankbar, dass hier so viel investiert wurde.“ Mögliche Ideen für die Zukunft gibt es viele: „Warum nicht mal ein größeres Festival oder im Winter auf der gesamten Fläche ein Weihnachtsmarkt?“, sagt Dirk Matura.

Tatsächlich ist der frisch sanierte Großmarkt längst nicht am Ende seiner Möglichkeiten angekommen. Regelmäßige Mieterversammlungen sollen den Zusammenhalt stärken, das Gemeinschaftsgefühl aus der Bauphase wollen die Mieter mitnehmen. Auch Klaus Richter vom ZGM pocht auf das „Wir-Gefühl“, das den Großmarkt weiter beleben kann. Der Ort hat Tradition und Charakter, doch er lässt auch viel Spielraum für neue Ideen und Konzepte.

Quelle: Statd Krefeld

Neustart für den Großmarkt nach erfolgreicher Sanierung: Felix Hakes vom Gazelle Store, Gastronom Edon Maloku, Seyhan Hauenherm von Olio Mediterraneo, ZGM-Leiterin Astrid Schüssler, Dirk Matura vom “Wine House” sowie Klaus Perau und Klaus Richter vom ZGM (v.l.). | Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation/ Dirk Jochmann