12. May 2026

Welche Werte wollen wir uns leisten? Lieferketten im Fokus

Kamp-Lintfort. Lieferketten sind Motor und Achillesferse unserer globalisierten Welt: Sie schaffen Wohlstand, machen uns aber auch verletzlich, denn lokale Krisen können globale Kettenreaktionen auslösen. Gleichzeitig werfen sie zentrale ethische Fragen auf: Welche Werte wollen wir uns leisten? Und wie setzen wir sie in einer vernetzten Welt durch?

Im Rahmen des Ethik-Talks diskutierten Vertreter*innen aus Wirtschaft, Politik und Praxis Konsequenzen von Lieferketten. Dr. Dorothee Schröder-Krings (Leitende Redakteurin der Rheinischen Post), Claudia Brück (Vorständin von Fairtrade Deutschland), Kirsten Wittke-Lemm (Unternehmerverband Chemie und Metall Niederrhein), Prof. Dr. Christoph Landscheidt (Bürgermeister Kamp-Lintfort sowie Vizepräsident des Deutschen Städte und Gemeindebunds), und Dr. Günther Bergmann (Mitglied des Landtages) stellten fest, dass Werte kein Luxus sind, sondern in Zeiten von Polykrisen die benötigte Orientierung bieten. Bürger*innen konnten ihre Fragen einbringen und im Anschluss mit den Expert*innen in den Dialog treten.

Am zweiten Veranstaltungstag wurde die Fragestellung durch unterschiedliche wissenschaftliche Perspektiven beleuchtet. In seiner Keynote „Verantwortung braucht Daten: Transparenz in Lieferketten als Informationsproblem“ veranschaulichte Dr. Nikolaj Otte (Experte für quantitative Nachhaltigkeit, ecoimpuls) die Thematik anhand des Beispiels von Waschmaschinen. Er verdeutlichte die unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Stakeholder sowie die Chancen und Risiken von Datenerhebungen.

In unterschiedlichen Workshops konnten Studierende und Bürger*innen ihr Wissen vertiefen und neue Perspektiven kennenlernen. Das Angebot war thematisch vielfältig und umfasste  Workshops zu „Natur als Rechtssubjekt – Neue Perspektiven auf Verantwortung in globalen Lieferketten“, „Heizen in Deutschland: De-Risking, Energiesicherheit und Klimaschutz, passt das zusammen?“, „Algorithmische Wertschöpfung praktisch erleben: KI-Plattformen im ethischen Realitätscheck“, „Wer trägt die Verantwortung? Ethik in der Entwicklung digitaler Assistenztechnik“ und „NGT1 – Was bedeutet die neue Gentechnik für Lieferketten, Wahlfreiheit und Möglichkeiten der Kennzeichnung?“.

Prof. Dr. Locker-Grütjen, Präsident der Hochschule Rhein-Waal, dankte allen beteiligten Akteur*innen und betonte: „Die Welt befindet sich in einem Dauerkrisenzustand. Daher ist es wichtig, über Werte, Abhängigkeiten und Kettenreaktionen zu sprechen und unterschiedliche Thematiken und Blickwinkel zu beleuchten. Ich freue mich sehr, dass Veranstaltungen wie der Ethik-Tag dafür den nötigen Raum geben.“

Besonderer Dank gilt den drei Fördervereinen der Hochschule Rhein-Waal sowie dem Rotary Club Kamp-Lintfort/Grafschaft Moers für die Unterstützung der Veranstaltungen.

Quelle: Hochschule Rhein-Waal

Von links: Prof. Dr. Alexander Brand, Hochschule Rhein-Waal; Dr. Günther Bergmann, Mitglied des Landtages; Kirsten Wittke-Lemm, Unternehmerverband Chemie und Metall Niederrhein, Prof. Dr. Christoph Landscheidt, Bürgermeister Kamp-Lintfort sowie Vizepräsident des Deutschen Städte und Gemeindebunds; Dr. Dorothee Schröder-Krings, Leitende Redakteurin der Rheinischen Post; Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland; Prof. Dr. Klaus Hegemann, Hochschule Rhein-Waal | Foto: Jürgen Landes/ HSRW