15. March 2026

Die Zukunft der Landwirtschaft innovativ gestalten

Kreis Kleve/ Kalkar. Wie steht es um die Zukunft der Landwirtschaft am Niederrhein zwischen globalem Wettbewerb und regionaler Wertschöpfung? Mit dieser Frage beschäftigte sich das 5. Agrar-Forum Niederrhein, zu dem die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen in das Wunderland Kalkar eingeladen hatte und das von den Volksbanken und Sparkassen im Kreis Kleve finanziell unterstützt wurde. Mehr als 200 Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik, Wirtschaft und Verbänden kamen zusammen, um aktuelle Entwicklungen und Perspektiven der Branche zu diskutieren.

Landrat Christoph Gerwers eröffnete die Veranstaltung und betonte die große Bedeutung der Landwirtschaft für die Region: „Als Kreis Kleve sind wir stolz darauf, eine der stärksten Agrarregionen Nordrhein-Westfalens zu sein. Unsere landwirtschaftlichen Betriebe prägen nicht nur unsere Kulturlandschaft, sondern auch unsere Identität.“ Der Landrat weiter: „Die Landwirtschaft steht heute vor großen Veränderungen. Sie bewegt sich im Spannungsfeld zwischen globalen Märkten und regionaler Verantwortung. Zwischen steigenden Anforderungen an Nachhaltigkeit, Tierwohl und Klimaschutz auf der einen Seite – und wirtschaftlichem Druck, Wettbewerbsfähigkeit und internationalen Handelsabkommen auf der anderen.“ Gerwers sehe für die heimischen Landwirte aber auch eine Chance und zwar deswegen, „weil gerade unsere Region mit ihrer Innovationskraft, ihrem Know-how und ihrem starken Netzwerk aus Landwirtschaft, Veredlung, Verarbeitung und Vermarktung hervorragend aufgestellt ist, um diesen Wandel aktiv zu gestalten.“

Einen Impuls zur aktuellen agrarpolitischen Lage gab Silke Gorißen, Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen. Sie unterstrich die Bedeutung der heimischen Landwirtschaft: „Von der Landwirtschaft hängen hunderttausende Arbeitsplätze in NRW ab. Die Landwirtschaft ist systemrelevant, sie sichert die Versorgung der Menschen mit Lebensmitteln.“ Die Landwirtschaft bewege sich in einem „gewaltigen Spannungsfeld“, so die Ministerin, weil Lebensmittel zu verbraucherfreundlichen Preisen produziert, aber zugleich auch strenge Umweltauflagen eingehalten und steigende Anforderungen für das Tierwohl  erwartet würden. Zudem müssten die Betriebe den Herausforderungen des Klimawandels begegnen. „Der Schlüssel liegt in Innovation und Wissenstransfer“, so die Ministerin. Sie sehe viel Potenzial bei der Einbindung von KI und Robotik mit der landwirtschaftlichen Praxis. Mit Blick auf das Mercosur-Freihandelsabkommen erklärte Gorißen: „Eine differenzierte Betrachtung ist wichtig. Das Abkommen bietet große Chancen für Europa und damit auch für die Agrarwirtschaft in NRW und den Export unserer Produkte.“

Mit dem EU-Mercosur-Abkommen hat sich auch Eric von Berg-Wallner, Leiter Außenwirtschaft der Niederrheinischen IHK Duisburg-Wesel-Kleve zu Duisburg, intensiv beschäftigt. In seinem Vortrag gab er beim Agrar-Forum einen Überblick über Inhalte und mögliche Auswirkungen des Handelsabkommens zwischen der Europäischen Union und südamerikanischen Staaten.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass die Einschätzungen zum Abkommen differenziert sind. Diskutiert wurde unter anderem, welche Auswirkungen zusätzliche Importe auf europäische Produktionsstandards und Wettbewerbsbedingungen haben könnten. Auf dem Podium diskutierten neben von Berg-Wallner auch Erich Gussen, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbands, Dr. Hermann Schmitz von Pfeifer & Langen, Karl Werring, Präsident der Landwirtschaftskammer NRW, sowie Martin Wilmsen, Betriebsleiter eines landwirtschaftlichen Ackerbaubetriebs aus Kalkar.

Neben den globalen Rahmenbedingungen standen auch konkrete Beispiele aus der Praxis im Fokus. In einer zweiten Themenrunde stellten Landwirtinnen und Landwirte sowie Branchenvertreter erfolgreiche Projekte und innovative Ansätze, die Mut machen vor. Mit dabei waren Wilhelm Hellmanns von der Kreisbauernschaft Geldern, Annika Frank von der Landwirtschaftskammer NRW, Andrea Peters, Landwirtin aus Kalkar, sowie Simone Schmitz, Inhaberin des Biohofs Büsch in Weeze. Sie zeigten, wie Betriebe mit neuen Vermarktungswegen, Spezialisierungen oder nachhaltigen Produktionsformen auf aktuelle Herausforderungen reagieren.

Moderiert wurde die Veranstaltung von Andrea Franken. Beim anschließenden gemeinsamen Austausch und einer leckeren Portion Grünkohl nutzten die Teilnehmenden die Gelegenheit, Gespräche zu vertiefen und Kontakte zu knüpfen. Das Agrar-Forum Niederrhein hat sich in den vergangenen Jahren als wichtige Plattform für Dialog und Vernetzung zwischen Landwirtschaft, Politik und Wirtschaft etabliert. Auch die fünfte Ausgabe machte deutlich: Die Landwirtschaft befindet sich im Wandel – doch die Region verfügt über viele Ideen, Initiativen und engagierte Akteure, um diesen Wandel aktiv zu gestalten.

Quelle: WFG Kreis Kleve

Beim 5. Agrar-Forum Niederrhein im Wunderland Kalkar:  Silke Gorißen (vorne Mitte), Ministerin für Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, eingerahmt von Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung, Verbänden, Veranstaltenden und Podiumsgästen. | Foto: WFG Kreis Kleve