13. June 2026

Von Upcycling bis Gartenbau: FairKaufHaus stärkt die Grüne Branche

Geldern. Seit über 25 Jahren verbindet das FairKaufHaus in Geldern Nachhaltigkeit mit sozialem Engagement. 2025 feierte die Einrichtung ihr Jubiläum. Träger ist die caritas-betriebe gGmbH, zu der neben dem Standort in Weeze auch der Klostergarten in Kevelaer mit Inklusionshotel und Küche gehört.

In Geldern reicht das Spektrum längst über ein klassisches Second-Hand-Kaufhaus hinaus: Neben dem Verkaufsbereich gibt es einen Möbelmarkt, eine Haus- und Gartenabteilung sowie eine Upcycling-Projektgruppe, in der kreative und nachhaltige Produkte entstehen. In diesen Bereichen bietet das FairKaufHaus Teilnehmern die Möglichkeit, durch die Ausübung geförderter Arbeitsmaßnahmen ihren Weg zurück in den Arbeitsmarkt zu finden. Im Rahmen der Mitgliedschaft bei Agrobusiness Niederrhein tauschten sich Dr. Anke Schirocki, Geschäftsführerin des Netzwerks, sowie Projektkoordinator Marcus Trappe mit Dr. Franz Stein und Tanja Streubel aus.

Franz Stein hat vor Kurzem die Bereichsleitung ‘Berufliche Integration’ in den beiden FairKaufHäusern übernommen. Auf die Frage nach seinen Zielen für die neue Aufgabe antwortet Stein: “Wir sind aktuell dabei, uns in unterschiedlichen Bereichen neu aufzurichten. Nachhaltigkeit hat deutlich an Bedeutung gewonnen – gerade bei jungen Menschen. Second-Hand liegt im Trend und erfährt eine neue Wertschätzung.”

Rund 35 Personen sind im FairKaufHaus beschäftigt. Allein in der Gartenabteilung arbeiten vier festangestellte Mitarbeitende, darunter ein Meister. Ein zentraler Auftrag der Einrichtung ist die Integration in den Arbeitsmarkt. “Unsere Teilnehmenden sind Menschen, die nicht den direkten Weg in einen Beruf gefunden haben oder schon sehr lange arbeitslos sind”, sagt Stein und fügt hinzu: “Bei uns erhalten sie durch Integrations- und Qualifizierungsmaßnahmen neue berufliche Perspektiven.”

Dabei werden sie von qualifizierten Mitarbeitern fachlich angeleitet und sozialpädagogisch unterstützt. “Wir bieten verschiedene Arbeitsgelegenheiten an, bei denen es vor allem darum geht, ins Handeln zu kommen und Selbstvertrauen aufzubauen”, erklärt Tanja Streubel. “Ich begleite die Teilnehmenden individuell, unterstütze sie bei Terminen und stelle Kontakte zu Unternehmen her.”

Der Haus- und Gartenservice ergänzt als Integrationsbereich das Angebot des FairKaufHaus. Mit ausgebildeten Gärtnern und Teilnehmenden werden zusätzliche Grünarbeiten durchgeführt, insbesondere für gemeinnützige Einrichtungen wie Pflegeheime oder Kindergärten.

Eine besondere Rolle spielt die Upcycling-Abteilung. Hier entstehen unter dem Upcycling-Label der Caritas “Einzigware” aus gebrauchten Materialien neue Produkte – von Nistkästen und Insektenhotels über Hochbeete bis hin zu Möbelstücken und künstlerischen Einzelanfertigungen. Reparatur, Wiederverwendung und gestalterisches Arbeiten greifen dabei ineinander.

“Die Kombination von Upcycling und Gartenarbeit hat Potenzial”, sagt der Bereichsleiter. Die Teilnehmenden können praktische Erfahrungen sammeln und sich kreativ einbringen. So gab es bereits Aktionen, bei denen verschiedene Gefäße gebaut und gestaltet, mit Blumen bepflanzt und anschließend einer neuen Bestimmung zugeführt wurden.

Welche Chancen sich daraus ergeben, zeigt ein konkretes Erfolgsbeispiel: Tanja Streubel berichtet von einer jungen Frau, die auf diesem Weg ihren Einstieg in die Grüne Branche gefunden hat. “Die Teilnehmerin war in unserer Gartenabteilung und hat gemerkt, dass das etwas für sie ist”, erzählt die Pädagogin mit Stolz. Über eine Ausbildungsmesse entstand der Kontakt zu einem Gartenbaubetrieb, einem Mitglieds-unternehmen von Agrobusiness Niederrhein. Nach einem ersten Gespräch absolvierte sie ein Praktikum. “Eine wirklich tolle Entwicklung”, sagt Streubel. “Beim Tag der Ausbildung in Geldern habe ich sie am Stand ihres Ausbildungsbetriebs wiedergetroffen – dort hat sie selbst junge Besucherinnen und Besucher über den Beruf im Gartenbau informiert.”

Auch für das Netzwerk Agrobusiness Niederrhein ergeben sich daraus Anknüpfungspunkte. “Fachkräfte und Nachwuchs-gewinnung sind zentrale Themen in unserem deutsch-niederländischen Interreg-Projekt Agropole Innovates, das durch das Interreg VI-Programm Deutsch-Nederland unterstützt wird”, erklärt Dr. Anke Schirocki.

“Hier möchten wir durch gemeinsame Aktivitäten das Interesse an grünen Berufen wecken”, betont Trappe, Koordinator des Projekts. “Denkbar sind Workshops für Kinder und Jugendliche, die Upcycling und Pflanzen miteinander verbinden. Wir freuen uns darauf, diese Ansätze weiterzuentwickeln.“

Weitere Informationen zum FairKaufHaus in Geldern:
Auf der Internetseite heißt es: “Das FairKaufHaus in Geldern bietet gut erhaltene Second-Hand-Waren zu fairen Preisen. Auf über 900 Quadratmetern Verkaufsfläche findet hier jeder, was er sucht – von Schnäppchenjägern über Antiquitätenliebhaber bis hin zu Menschen, die aus gebotener Sparsamkeit aus zweiter Hand einkaufen.” Gartenartikel und Arbeitskleidung sind ebenfalls im Sortiment.

Dieses Konzept leistet zugleich einen wichtigen Beitrag zur Nachhaltigkeit: Je weniger Kleidung und Güter neu produziert werden müssen, desto geringer ist die Belastung für die Umwelt. Das FairKaufHaus ist Mitglied bei “Re-Use Deutschland“, einem bundesweiten Zusammenschluss sozialwirtschaftlicher und gemeinnütziger Akteure, die sich für Ressourcenschonung und soziale Teilhabe einsetzen.

Quelle: Agrobusiness NIederrhein e.V.

Von rechts: Dr. Anke Schirocki, Dr. Franz Stein, Tanja Streubel und Marcus Trappe | Foto: Agrobusiness Niederrhein