Krefeld. Mit einer gezielten Imagekampagne in der Region will die Stadt Krefeld die Stärken der Innenstadt wieder ins Bewusstsein rücken. Mit dem Slogan „… könnte gut werden“ werben Plakate, eine Website und Social-Media-Postings für Handel, Gastronomie und besondere Events. Der Stadtrat hatte die Kampagne zur Revitalisierung der Innenstadt im Zuge des Stärkungspakets 2.0 beschlossen. In einem Bewerbungsverfahren hat sich die Agentur Schwind aus Bonn mit ihrem Konzept durchgesetzt. Über fünf Jahre bauen die Initiatoren auf langfristige Effekte, eine Art „Umparken im Kopf“, wie es einst der Automarke Opel gelungen ist.
„Es geht uns um das Stadtgefühl, das wir nach außen hin vermitteln möchten“, sagt Claire Neidhardt. Die Leiterin des Stadtmarketings hat das aufwändige Verfahren zur Suche des richtigen Slogans und der passenden Inhalte über Monate begleitet. „Die Kampagne von Schwind hat uns überzeugt, weil sie eine besondere Tonalität trifft, in der auch Selbstironie erlaubt ist. Damit möchten wir das Image der Krefelder Innenstadt langsam aufbrechen und ein Gefühl von Authentizität
vermitteln.“ Um das „Erlebbare“ soll es gehen, nicht um bislang unrealisierte Pläne und abstrakte Zukunftsmusik.
Um diesen Prozess für Krefeld anzustoßen, ist Felix Warstat von der Agentur Schwind wohl genau der Richtige. Der 49-Jährige ist in Krefeld geboren und am Kliedbruch aufgewachsen. Er hat, wie er selbst sagt, die „goldenen Zeiten“ erlebt: „In den 1980ern und -90ern kam ganz NRW in die Königsburg. Wir hatten eine überdachte Premium-Einkaufsstraße, um die uns sogar Düsseldorf beneidet hat.“ Doch irgendwann hätten sich die Rahmenbedingungen und die Herausforderungen verändert: „Viele Innenstädte kämpfen – aber für Krefeld war die Fallhöhe leider besonders groß“, analysiert der Werbefachmann.
Nichtsdestotrotz glaubt Warstat, dass sich in den vergangenen Jahren in der Seidenstadt viel zum Positiven verändert hat: „Hier passieren gute Sachen: Die Menschen gehen in die Stadt und haben Spaß. Wir wissen, dass längst noch nicht alles perfekt ist, aber der ‚Fraktion Griesgram‘ möchten wir gerne den Wind aus den Segeln nehmen. Unser Glas für Krefeld wird immer halb voll sein.“ Dieser Prozess des Umdenkens brauche Zeit und Geduld, sagt Warstat: „Nur ein paar Plakate aufhängen, und schon kommen Busladungen von Besuchern aus den Niederlanden – das wird sicher nicht passieren. Imageveränderung braucht Zeit.“
Und noch etwas ist wichtig, damit die Kampagne am Ende funktionieren kann: Möglichst viele müssen mitmachen. So versteht sich die Homepage weniger als zentraler Anlaufpunkt für Informationen denn als „Sammelstelle für Inhalte“, wo besondere Angebote oder Veranstaltungen Widerhall finden. Begleitend geht im Sommer ein Tiktok-Kanal an den Start. Mit dem Hashtag „#koenntegutwerden“ haben Händler, Gastronomen, Vereine, Initiativen, Firmen und ganz normale Besucher die Chance, ihre Erfahrungen und Erlebnisse weiterzugeben. „Stück für Stück soll die Kampagne organisch wachsen“, betont Claire Neidhardt.
Die Zielgruppe der Botschaften sitzt nicht unbedingt in Krefeld, sondern eher in der Umgebung – also dort, wo die Innenstadt als Ausflugsziel laut Umfragen aus dem Blickfeld geraten scheint. „Wir gehen von etwa einer Million Menschen aus, die rund um das Oberzentrum Krefeld leben und die wir erreichen müssen“, sagt Markus Ottersbach, Geschäftsführer des Handelsverbands Krefeld-Kempen-Viersen. „Dazu brauchen wir Unternehmen, Händler und Organisationen, die diese
Kampagne verlängern, ihren Geist und ihre Idee transportieren und die Inhalte in ihre Kommunikation einbinden. Dabei geht es uns um Emotionalität und echte Erlebnisse.“ Der Slogan „… könnte gut werden“ sei zum jetzigen Zeitpunkt genau
richtig, weil er auch die Verantwortung des Einzelnen für den Erlebniswert der Innenstadt mit einbeziehe. Wenn nach Abschluss der fünf Jahre der Konjunktiv „könnte“ verschwunden sei, habe man das Ziel erreicht, so Ottersbach.
Dass Krefeld das Zeug dazu hat, sich wieder sichtbarer als Oberzentrum zu positionieren, daran lassen die Beteiligten keinen Zweifel. Auf der Homepage, die in den kommenden Tagen unter www.krefelder-innenstadt.de online geht, finden sich zahlreiche Beispiele für populäre Events oder gastronomische Highlights, auch das Wohnen und Arbeiten in der Innenstadt soll Thema sein. Das Leitbild „Mehr Stadt zum Leben“ spiegelt sich auf den Seiten wider. Wenn es gelingt, dieses Gefühl
dauerhaft zu vermitteln, könnte die Zukunft für Krefeld tatsächlich gut werden.
Quelle: Stadt Krefeld

Markus Ottersbach vom Handelsverband, Claire Neidhardt vom Stadtmarketing und Felix Warstat von der Agentur Schwind präsentieren auf den Dächern der Samtweberei die Imagekampagne für die Krefelder Innenstadt. | Foto: Stadt Krefeld, Presse und Kommunikation, Dirk Jochmann