{"id":6804,"date":"2025-10-23T06:00:00","date_gmt":"2025-10-23T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/?p=6804"},"modified":"2025-10-22T13:13:29","modified_gmt":"2025-10-22T11:13:29","slug":"dauerkrise-statt-trendwende","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/2025\/10\/23\/dauerkrise-statt-trendwende\/","title":{"rendered":"Dauerkrise statt Trendwende"},"content":{"rendered":"\n<p>D\u00fcsseldorf\/ Mittlerer Niederrhein. Die Wirtschaftslage in der Region D\u00fcsseldorf\/Mittlerer Niederrhein bleibt im Herbst 2025 tr\u00fcb. Der Gesch\u00e4ftslageindex ist weiterhin im negativen Bereich, und die Betriebe blicken eher pessimistisch in die Zukunft. Dies geht aus dem aktuellen Konjunkturbericht der Industrie- und Handelskammern D\u00fcsseldorf und Mittlerer Niederrhein hervor. \u201eDie Wirtschaft in unserer Region k\u00e4mpft nicht mit hausgemachten Problemen, sondern mit massiven Belastungen durch globale Krisen und wirtschaftspolitische Vers\u00e4umnisse auf Bundesebene\u201c, warnt J\u00fcrgen Steinmetz, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der IHK Mittlerer Niederrhein, und Gregor Berghausen, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der IHK D\u00fcsseldorf, erg\u00e4nzt: \u201eDie Unternehmen sto\u00dfen an Belastungsgrenzen \u2013 das gilt f\u00fcr Energiepreise, B\u00fcrokratie und zunehmend auch f\u00fcr die Arbeitskosten. Wenn die Politik nicht gegensteuert, droht ein weiterer Verlust an Wettbewerbsf\u00e4higkeit und Arbeitspl\u00e4tzen.\u201c Der Konjunkturbericht basiert auf einer Umfrage, an der sich bis Ende September knapp 750 Unternehmen mit gut 60.000 Besch\u00e4ftigten beteiligt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die wirtschaftliche Stimmung in der Region bleibt im Herbst 2025 gedr\u00fcckt. Anhaltende Unsicherheit und schwierige Rahmenbedingungen pr\u00e4gen die Lage. Der Gesch\u00e4ftslageindikator sinkt auf minus 12 Punkte, liegt damit einen Punkt unter dem Vorjahreswert und auf einem F\u00fcnf-Jahres-Tief. Auch die Gesch\u00e4ftserwartungen tr\u00fcben sich weiter ein. Sie liegen nun bei minus 8,3 Punkte, nach minus 2,7 Punkte vor einem Jahr. \u201eStatt einer Trendwende geraten wir eher in eine Art Dauerkrise\u201c, kommentiert Steinmetz die Zahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konjunkturumfrage macht deutlich, welche Risiken die Unternehmen derzeit am st\u00e4rksten belasten: an erster Stelle die schwache Inlandsnachfrage (57,6 Prozent), gefolgt von hohen Arbeitskosten (49,5 Prozent) und Energiepreisen (42,6 Prozent). Besonders besorgniserregend ist aus Sicht der IHKs, dass sich die schlechte Lage manifestiert hat. Etwa ein Drittel der Unternehmen bewertet die aktuelle Lage kritisch \u2013 80 Prozent dieser Betriebe erwarten keine Besserung in den kommenden Monaten. Selbst unter den Unternehmen mit stabiler oder befriedigender Gesch\u00e4ftslage herrscht allenfalls verhaltener Optimismus.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lage am Arbeitsmarkt verschlechtert sich weiter. Die Besch\u00e4ftigungserwartungen sind auf minus 11,7 Punkte gefallen \u2013 ein Wert, der nur w\u00e4hrend der Corona-Pandemie noch schlechter war. Das zeigt: Deutlich mehr Unternehmen planen Personalabbau als Neueinstellungen, zudem k\u00fcrzen die Unternehmen als Folge der angespannten Lage Investitionspl\u00e4ne.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein zus\u00e4tzlicher Belastungsfaktor f\u00fcr viele Betriebe ist die geplante, sukzessive Anhebung des gesetzlichen Mindestlohns ab Januar 2026. Laut Umfrage sehen sich 60 Prozent der Betriebe gezwungen, darauf zu reagieren: Rund ein Viertel muss Mindestl\u00f6hne direkt anheben, knapp 35 Prozent wollen h\u00f6here Lohngruppen anpassen, 34 Prozent planen Preiserh\u00f6hungen, zehn Prozent rechnen mit Personalabbau und drei Prozent mit einer Einschr\u00e4nkung ihres Leistungsangebots. Besonders betroffen sind kleine Unternehmen sowie die Branchen Einzelhandel und Baugewerbe, die ohnehin mit engen finanziellen Spielr\u00e4umen arbeiten. \u201eDer Mindestlohn darf nicht zum Besch\u00e4ftigungsrisiko werden\u201c, mahnt Steinmetz,. \u201eWenn Unternehmen die steigenden Kosten nicht durch Produktivit\u00e4t oder Preise ausgleichen k\u00f6nnen, stehen Jobs und Wertsch\u00f6pfung auf dem Spiel.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Die Lage der verschiedenen Branchen zeigt ein differenziertes, aber insgesamt schwieriges Bild. Die Industrierezession setzt sich fort: Seit nunmehr eineinhalb Jahren \u00fcberwiegt der Anteil der Unternehmen in schlechter Gesch\u00e4ftslage deutlich gegen\u00fcber jenen in guter. Ein so langer Zeitraum war zuletzt nach dem Platzen der New-Economy-Blase Anfang der 2000er zu beobachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Besonders hart trifft die aktuelle Lage die exportorientierten Industriebetriebe. Sie leiden unter der Kombination aus sinkender internationaler Wettbewerbsf\u00e4higkeit, geopolitischen Spannungen und anhaltenden Handelskonflikten. Die traditionellen St\u00e4rken des deutschen Wirtschaftsmodells \u2013 hochwertige Industrieproduktion und starke Exportorientierung \u2013 erweisen sich im Zuge der Entwicklung des globalen Handels und der handelspolitischen Weichenstellungen ma\u00dfgeblicher Akteure als zunehmend weniger tragf\u00e4hig. In vielen Betrieben sind die finanziellen Polster inzwischen aufgebraucht. Auch f\u00fcr die kommenden zw\u00f6lf Monate rechnen mehr Industrieunternehmen mit einem Absatzr\u00fcckgang im In- und Ausland als mit einer Belebung. \u201eMir macht es Sorgen, dass die energieintensiven Branchen eine nochmals verschlechterte Lage melden\u201c, so Steinmetz. \u201eDiese Branchen, wie die Chemische Industrie, sind seit langer Zeit industrielle Leitbranchen unserer Region.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Im Baugewerbe deuten sich hingegen erste leichte Entlastungen an: Kommunale Investitionen und Programme zur Modernisierung der Infrastruktur sorgen f\u00fcr eine vorsichtige Stabilisierung, wenngleich das Niveau weiterhin unter dem langj\u00e4hrigen Durchschnitt liegt. Ermutigender Faktor ist, dass die Betriebe Hoffnungen auf Impulse aus dem Sonderverm\u00f6gen f\u00fcr Infrastruktur und Klimaschutz haben. Die Industrie- und Handelskammern sind allerdings skeptisch, was die Wirkung des Sonderverm\u00f6gens betrifft. \u201eDie Haushaltspl\u00e4ne des Bundes f\u00fcr 2025 und 2026 lassen bef\u00fcrchten, dass der urspr\u00fcnglich gew\u00fcnschte Effekt verpufft, weil Investitionsmittel aus dem Kernhaushalt in das Sonderverm\u00f6gen verschoben werden, um konsumtive Ausgaben zu finanzieren\u201c, sagt Steinmetz.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Einzelhandel leidet unter Kaufzur\u00fcckhaltung und steigenden Lohnkosten, w\u00e4hrend der Dienstleistungssektor Licht und Schatten zeigt \u2013 stabile Auftragslagen in Beratungs- und Ingenieurb\u00fcros stehen schwacher Nachfrage in Logistik und Transport gegen\u00fcber.&nbsp;Die IHKs D\u00fcsseldorf und Mittlerer Niederrhein sehen daher dringenden Handlungsbedarf auf Bundesebene. Ohne wirtschaftspolitische Strukturreformen wird es schwer, den Abw\u00e4rtstrend zu stoppen. Zwar wurde j\u00fcngst die B\u00fcrgergeldreform ausgehandelt, dennoch gef\u00e4hrden steigende Kosten, globale Unsicherheiten und strukturelle Standortnachteile weiterhin die Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Betriebe nachhaltig. \u201eWir haben kein kurzfristiges Konjunkturproblem \u2013 wir haben ein Problem der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen\u201c, fasst Gregor Berghausen zusammen. \u201eNur wenn die Politik entschlossen handelt, k\u00f6nnen Unternehmen wieder investieren, Arbeitspl\u00e4tze sichern und Wachstum schaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der vollst\u00e4ndige Konjunkturbericht Herbst 2025 steht auf der Seite der IHK Mittlerer Niederrhein zur Verf\u00fcgung:&nbsp;<a href=\"https:\/\/mittlerer-niederrhein.ihk.de\/P599\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">mittlerer-niederrhein.ihk.de\/P599<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/mittlerer-niederrhein.ihk.de\/news\/detail\/dauerkrise-statt-trendwende\">IHK Mittlerer Niederrhein<\/a><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-post-featured-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1280\" height=\"850\" src=\"https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/csm_2025_pm216_Konjunktur_IHK_Herbst_25_99ded15525.jpg\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image\" alt=\"\" style=\"object-fit:cover;\" srcset=\"https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/csm_2025_pm216_Konjunktur_IHK_Herbst_25_99ded15525.jpg 1280w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/csm_2025_pm216_Konjunktur_IHK_Herbst_25_99ded15525-980x651.jpg 980w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/10\/csm_2025_pm216_Konjunktur_IHK_Herbst_25_99ded15525-480x319.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1280px, 100vw\" \/><\/figure>\n\n\n<p>Sie stellten den Konjunkturbericht f\u00fcr den Herbst 2025 vor (v.l.): Gregor Berghausen, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der IHK D\u00fcsseldorf, und J\u00fcrgen Steinmetz, Hauptgesch\u00e4ftsf\u00fchrer der IHK Mittlerer Niederrhein. | Foto: IHK Mittlerer Niederrhein<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>D\u00fcsseldorf\/ Mittlerer Niederrhein. 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