{"id":6349,"date":"2025-08-05T06:00:00","date_gmt":"2025-08-05T04:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/invest-in-niederrhein.de\/?p=6349"},"modified":"2025-07-23T08:28:14","modified_gmt":"2025-07-23T06:28:14","slug":"erster-wein-seit-der-roemerzeit-vom-niederrhein","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/2025\/08\/05\/erster-wein-seit-der-roemerzeit-vom-niederrhein\/","title":{"rendered":"Erster Wein seit der R\u00f6merzeit vom Niederrhein"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Straelen\/ Geldern. <\/strong>Weinbau am Niederrhein geht das? Mit dem wichtigen Know-how ganz bestimmt. Gianluca Antoniazzi zeigt das mit seinen Weinreben in Geldern und Sonsbeck. Der studierte Oenologe ist mit seinem Weinbau und dem Weinhandel Viniazzi jetzt Mitglied im Netzwerk Agrobusiness Niederrhein geworden. Wer sich fragt was Oenologie ist, es handelt sich um die Lehre und Wissenschaft vom Wein, abgeleitet vom griechischen Weingott Oineus.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach seinem Studium sammelte Gianluca Antoniazzi Erfahrungen bei verschiedenen Winzern im Ahrtal, in Italien und Neuseeland, bevor er 2018 begann, seinen Traum vom eigenen Weinbau in Geldern zu verwirklichen. \u201eDie Voraussetzungen f\u00fcr den Weinbau am Niederrhein sind erf\u00fcllt\u201c, sagt Gianluca Antoniazzi. Die B\u00f6den sind gut, die Durchschnittstemperatur mit 11,5\u00b0C erf\u00fcllt die Anforderungen von \u00fcber 10\u00b0C und die Gesamtsonneneinstrahlung ist teilweise h\u00f6her als an der Mosel. \u201eKlar, dass man an einer Hanglage mehr Sonne einf\u00e4ngt, aber das ist nicht der entscheidende Faktor f\u00fcr die Weinqualit\u00e4t\u201c, f\u00fcgt er hinzu. \u201eIn Deutschland liegen von den ca. 100.000 ha Anbaufl\u00e4che ca. 80.000 ha im Flachland. In der Sonsbecker Schweiz haben wir sogar 10% Hanglage \u2013 mehr ist aber am Niederrhein nicht rauszuholen\u201c, sagt er schmunzelnd.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Start ist nicht einfach. Zu Beginn ben\u00f6tigt man eine Pachtfl\u00e4che fest f\u00fcr 20 Jahre. Das Antragsverfahren f\u00fcr die Pflanzgenehmigung ist langwierig und erst seit 2016 \u00fcberhaupt au\u00dferhalb registrierter Weinanbaugebiete m\u00f6glich. Der maximale Fl\u00e4chenzuwachs pro Bundesland ist festgelegt und so wurden von den 5,5 ha beantragter Fl\u00e4che zun\u00e4chst nur 2,4 ha genehmigt. Am Anfang braucht man einen langen Atem. Zun\u00e4chst dauert es mit dem Antragsverfahren und nach der Pflanzung noch einmal etwa zwei Jahre bis die Ernte beginnen kann. Deshalb hat Gianluca Antoniazzi einen Weinhandel mit italienischen Weinen in Geldern er\u00f6ffnet, die er von pers\u00f6nlich ausgew\u00e4hlten Weing\u00fctern bezieht. Die Er\u00f6ffnung fiel 2020 genau in den Corona Lockdown. \u201eZun\u00e4chst dachten wir, dass uns das das Genick brechen w\u00fcrde, dann hat sich aber herausgestellt, dass die Kunden gerne ihren Wein zu Hause trinken und mit immer nur einem Kunden im Laden, konnte der pers\u00f6nliche Verkauf weitergehen\u201c, sagt Gianluca Antoniazzi.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Oktober 2022 wurden dann die ersten 9.000 Weinreben gepflanzt. Dabei wurde auf besonders pilzwiderstandsf\u00e4hige Rebsorten gesetzt. Diese eher unbekannten Sorten k\u00f6nnen geschmacklich mit den traditionellen Sorten mithalten, ben\u00f6tigen aber weniger Pflanzenschutzmittel. In 2023, ein Jahr fr\u00fcher als erwartet, wurden die ersten Trauben geerntet und zu Wein verarbeitet.<\/p>\n\n\n\n<p>In Deutschland kauft der Kunde den Wein insbesondere nach der Rebsorte. In Italien eher nach dem Anbaugebiet. Deshalb werden unbekannte Sorten vom Kunden in Deutschland kaum nachgefragt. Gianluca Antoniazzi setzt darauf, dass seine Kunden die Weine probieren und dann vom Geschmack \u00fcberzeugt sind. H\u00e4ufig ist die erste Reaktion: \u201eDas kann doch nicht schmecken!\u201c Aber die Neugierde ist da und der Wein wird probiert. Der Geschmack \u00fcberzeugt und regionale Produkte stehen bei vielen Kunden hoch im Kurs und dann kommt die Frage nach der Rebsorte erst an zweiter oder dritter Stelle. Und so funktioniert die Einf\u00fchrung resistenter, neuer Sorten nach Einsch\u00e4tzung von Gianluca Antoniazzi besser am Niederrhein, als in einem der bekannten deutschen Weinanbaugebiete. Seine Kunden m\u00fcssen sich auch an d\u00fcnnere Flaschen gew\u00f6hnen. Der Konsument verbindet schwere Flaschen tendenziell mit Qualit\u00e4t, weniger Glas pro Flasche spart jedoch CO2 ein und tr\u00e4gt zur Nachhaltigkeit bei.<\/p>\n\n\n\n<p>Seine Weine werden nach biologischen Standards produziert, auch wenn er daf\u00fcr kein Zertifikat hat. \u201eDie Zertifizierung kostet eine Menge Geld, diese Ausgaben werden \u00fcber den Preis nicht wieder hereingeholt\u201c, f\u00fcgt er hinzu. Bei ihm wird von der Rebe bis in die Flasche alles selber gemacht. Eine neu dazugekommene Abf\u00fcllanlage macht das m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Den Weinbau in Deutschland sieht Gianluca Antoniazzi in einer Krise. \u201eViele Winzer, insbesondere die kleineren, geben auf\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eDie Preise sind gefallen, auch weil weniger Wein getrunken wird und was in Deutschland wegf\u00e4llt, wird durch franz\u00f6sische und italienische Weine ersetzt\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>2024 war ein schlechtes Weinjahr. Das lag vor allem an dem Dauerregen w\u00e4hrend der Bl\u00fcte, wodurch sich deutlich weniger Trauben an den Reben entwickelten. Der Wein der dann zur Ernte kam war jedoch von guter Qualit\u00e4t. In seinem ersten Erntejahr war Gianluca Antoniazzi innerhalb von 10 Monaten ausverkauft. Dabei hat er den Wein bisher noch nicht an die Gastronomie verkauft. Nur Privatkunden und die auch noch in begrenzter Menge haben seinen Wein mit nach Hause nehmen d\u00fcrfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf seinem Etikett sind die Begriffe Niederrhein und Geldern nicht zu finden. Genauso nennt er sich nicht \u201eWinzer\u201c oder spricht von \u201eWeingut\u201c. Dies sind Traditionsbegriffe, die nur unter bestimmten Voraussetzungen genutzt werden d\u00fcrfen. Um diese Begriffe langfristig verwenden zu d\u00fcrfen, hat er den \u201eWeinbauernverband Niederrhein\u201c gegr\u00fcndet. Mit drei Mitstreitern ist es jetzt das Ziel f\u00fcnf Jahre Trauben zu ernten, um gute Weine daraus zu machen. Dann k\u00f6nnen sie im Jahr 2030 den Antrag auf ein offizielles Weinanbaugebiet \u201eNiederrhein\u201c stellen. Zahlreiche Kriterien, wie eine klare geografische Abgrenzung, eine Dokumentation \u00fcber die Qualit\u00e4t des Weines und die \u00dcberwachung der Produktion zur Einhaltung der Qualit\u00e4tsstandards sind zu erf\u00fcllen. \u201eGeldern oder Sonsbeck wird dann leider auch nicht auf der Flasche stehen d\u00fcrfen\u201c, erkl\u00e4rt Gianluca Antoniazzi.<\/p>\n\n\n\n<p>So lange will Dr. Anke Schirocki, vom Netzwerk Agrobusiness Niederrhein nicht mehr warten. Mit Marcus Trappe, Projektkoordinator bei Agrobusiness Niederrhein f\u00fcr das Interreg-Projekt Agropole Innovates wollen sie pr\u00fcfen, wie weit die deutsch-niederl\u00e4ndische grenz\u00fcberschreitende Zusammenarbeit zum Thema Weinanbau vorangebracht werden kann. F\u00fcr die Mitglieder des Netzwerks soll es schon in diesem Jahr einen Besuch bei Antoniazzi geben. \u201eWir wollen uns den Weinanbau direkt auf dem Feld anschauen\u201c, sagt Anke Schirocki, \u201eund ich freue mich drauf, unserem Netzwerk den gesamten Weg vom Feld bis ins Glas n\u00e4her bringen zu lassen\u201c, f\u00fcgt sie hinzu.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber das Projekt \u201eAgropole Innovates\u201c<\/strong><br>Partner des Interreg-Projekts Agropole Innovates sind neben Agrobusiness Niederrhein e.V. auch Brightlands Campus Greenport Venlo, die Gemeinde Venray, die Hochschule Rhein-Waal sowie die Unternehmen ISIS IC, Yookr, Baum &amp; Bonheur (fr\u00fcher Baumschule Lappen), Compas Agro, Brand Qualit\u00e4tsfleisch und Piglets Treatment System. Bis August 2026 werden sie gemeinsam ein grenz\u00fcberschreitendes Netzwerk im Agrobusiness ausbauen, das Wissenstransfer, Innovationskraft und Wettbewerbsf\u00e4higkeit der Branche f\u00f6rdert. In vier Modellprojekten werden Innovationen zu konkreten Herausforderungen weiter-entwickelt.<br>Das Projekt wird im Rahmen des Interreg VI-Pro-gramms Deutschland-Nederland durchgef\u00fchrt und mit 2,025 Mio. Euro durch die Europ\u00e4ische Union, das Ministerium f\u00fcr Wirtschaft, Industrie, Klimaschutz und Energie des Landes NRW (MWIKE NRW), das Nieders\u00e4chsische Ministerium f\u00fcr Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung (MB Niedersachsen), das niederl\u00e4ndische Wirtschaftsministerium (EZK) sowie die Provinz Limburg mitfinanziert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcber den Verein<\/strong><br>Agrobusiness Niederrhein e.V. setzt sich f\u00fcr die F\u00f6rderung der Wettbewerbsf\u00e4higkeit und der Innovationskraft von Unternehmen des Agrobusiness am Niederrhein ein. Der Ende 2011 gegr\u00fcndete Verein mit Sitz in Straelen ist aus der seit 2007 bestehenden Netzwerk-Initiative Agrobusiness Niederrhein hervorgegangen. Die Mitglieder des Vereins stammen nicht nur aus den zentralen Wirtschaftszweigen Gartenbau und Landwirtschaft, sondern auch aus angelagerten Themenfeldern wie etwa Lebensmittelerzeugung, Logistik oder Forschung und Bildung.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.agrobusiness-niederrhein.de\">Agrobusiness Niederrhein e.V. <\/a><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-post-featured-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1754\" height=\"1170\" src=\"https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PM_2025_10_Viniazzi_Agropole.jpg\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image\" alt=\"\" style=\"object-fit:cover;\" srcset=\"https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PM_2025_10_Viniazzi_Agropole.jpg 1754w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PM_2025_10_Viniazzi_Agropole-1280x854.jpg 1280w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PM_2025_10_Viniazzi_Agropole-980x654.jpg 980w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2025\/07\/PM_2025_10_Viniazzi_Agropole-480x320.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) and (max-width: 1280px) 1280px, (min-width: 1281px) 1754px, 100vw\" \/><\/figure>\n\n\n<p>Gianluca Antoniazzi Weinhandel und Weinproduzent aus Geldern, Dr. Anke Schirocki und Marcus Trappe, beide von Netzwerk Agrobusiness Niederrhein, tauschen sich \u00fcber Themen der Zusammenarbeit aus. | Foto: Agrobusiness Niederrhein e.V.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Straelen\/ Geldern. 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