{"id":5196,"date":"2024-11-18T06:00:00","date_gmt":"2024-11-18T05:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/invest-in-niederrhein.de\/?p=5196"},"modified":"2024-11-15T13:32:48","modified_gmt":"2024-11-15T12:32:48","slug":"klimawandel-und-seine-folgen-perspektiven-von-wetterexpertin-und-agroforstpraktiker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/2024\/11\/18\/klimawandel-und-seine-folgen-perspektiven-von-wetterexpertin-und-agroforstpraktiker\/","title":{"rendered":"Klimawandel und seine Folgen? Perspektiven von Wetterexpertin und Agroforstpraktiker"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Kleve.<\/strong> Es war ein Vortragsabend, wie ihn auch die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) nicht alle Tage erlebt: W\u00e4hrend sich Wettermoderatorin Claudia Kleinert \u00fcber die Gelegenheit freute, im H\u00f6rsaal der HSRW einmal auf der Rednerseite stehen zu k\u00f6nnen, wurden die circa 280 Besucher*innen von zwei in ihrer Perspektive sehr unterschiedlichen Vortr\u00e4gen zur Reflexion angeregt. \u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>Jan Gro\u00dfe-Kleimann, praktizierender Agroforstlandwirt, und Claudia Kleinert sprachen auf Einladung des Transformationsprojekts Agroforst Reallabor aus dem Projekt TransRegINT \u2013 Transformation Region Niederrhein: Innovation, Nachhaltigkeit, Teilhabe, \u00fcber den Klimawandel, seine Bedeutung f\u00fcr die Landwirtschaft am Niederrhein und Chancen durch Agroforstsysteme. Der Einladung folgten nicht nur Menschen aus der Landwirtschaft, angesprochen f\u00fchlten sich auch Interessierte jeder Altersgruppe, die sich mit dem Klimawandel und\/oder nachhaltiger Ern\u00e4hrung besch\u00e4ftigen. Viele G\u00e4ste waren jedoch auch einfach neugierig.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u201eSchlauer raus als rein\u201c<\/strong><br>Diese Chance des Austauschs und der Wissensweitergabe galt es zu nutzen, wie auch der Vizepr\u00e4sident f\u00fcr Forschung, Innovation und Wissenstransfer der HSRW sowie Projektleiter des Projekts TransRegINT, Prof. Dr.-Ing- Peter Kisters, in seinem Gru\u00dfwort ansprach: Neben der Verantwortung f\u00fcr die Ausbildung junger Menschen, habe die HSRW \u201edie Verantwortung, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu \u00fcberf\u00fchren. Wir m\u00f6chten aber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger informieren.\u201c Er erhoffte sich von dem Abend, dass die Teilnehmenden \u201eetwas schlauer aus dem Abend gehen als sie hineingegangen sind. Die lebhaften Gespr\u00e4che im Anschluss an die Vortr\u00e4ge lassen darauf schlie\u00dfen, dass es gelungen war, Denkanst\u00f6\u00dfe zu geben und Informationen zu vermitteln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>St\u00e4rken b\u00fcndeln<\/strong><br>Und sie lie\u00dfen erahnen, wie wichtig Kooperation und Netzwerk sind. Der B\u00fcrgermeister der Stadt Kleve, Wolfgang Gebing, unterstrich die gemeinsame Anstrengung der Stadt Kleve, des Versuchs- und Bildungszentrums Landwirtschaft Haus Riswick und der HSRW, Bildung, Kommune und Praktiker der Landwirtschaft zu vereinen. Er bezog sich auf das Projekt \u201eAlleen3\u201c. Hier verpachtet die Stadt Kleve Fl\u00e4chen an die Landwirtschaft. Diese wird darauf in Zusammenarbeit mit dem Agroforst Reallabor ein Agroforstsystem etablieren. Die Fl\u00e4che wird beackert, bepflanzt und im Rahmen der Landesgartenschau 2029 von der \u00d6ffentlichkeit einsehbar sein. Es sind diese \u201evielen kleinen Sch\u00fcppchen\u201c, so Wolfgang Gebing, die den gro\u00dfen Wandel erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dr. Franz-Josef Stork, Leitung Versuchs- und Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick, stellte in seiner Begr\u00fc\u00dfung fest, dass die Idee der Agroforstwirtschaft am Niederrhein durchaus als Provokation verstanden werden kann: \u201eIst das vern\u00fcnftig f\u00fcr Zuckerr\u00fcbenb\u00f6den?\u201c. Seine Meinung: \u201eJa.\u201c Die Zusammenarbeit mit der HSRW und dem Agroforst Reallabor, unter anderem im entstehenden Projekt \u201eAlleen3\u201c biete die Chance weitere Untersuchungen f\u00fcr die Umsetzbarkeit und den Erfolg von Agroforstsystemen anzustellen. Es gelte, L\u00f6sungen zu finden, Kohlenstoff in den B\u00f6den zu binden. Die Landwirtschaft sehe sich in der Verantwortung, allerdings: \u201eWir wissen nicht, was kommt in den n\u00e4chsten Jahren.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Was kommt?<\/strong><br>Claudia Kleinert hatte in ihrem Vortrag darauf eine sehr klare Antwort: \u201eDer Klimawandel schreitet deutlich schneller voran als absehbar.\u201c Ihre Erkenntnis aus 30 Jahren Wettermoderation: \u201eWir sind in Europa weltweit am schlimmsten von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen!\u201c Diese Aussage wurde von ihr mit Statistiken untermauert: Die Sommer, mit Ausnahme dieses Sommers, werden deutlich zu trocken, die Winter zu nass. F\u00fcr den Winter werden 20 bis 30 Prozent mehr Regen erwartet. \u201eWas mache ich mit Feldern, die dauerhaft unter Wasser stehen?\u201c, fragte sie. Keine rhetorische Frage, wie sich im Anschluss herausstellte, denn Dauerregenereignisse, wie der Niederrhein sie bis ins Fr\u00fchjahr dieses Jahrs erlebte, besch\u00e4ftigen Landwirte aus der Niederung mit ihren schweren B\u00f6den bis heute.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Wie reagieren?<\/strong><br>F\u00fcr Landwirt Jan Gro\u00dfe-Kleimann aus dem m\u00fcnsterl\u00e4ndischen Steinfurt,gibt es nur eine Option: \u201eAlles beginnt im Boden.\u201c Sein verk\u00fcrztes Ideal: Ein gesunder Boden sorgt f\u00fcr gesunde Pflanzen, die sorgen f\u00fcr gesunde Tiere, welche f\u00fcr ein gesundes Klima sorgen und damit letztlich f\u00fcr gesunde Menschen. Der \u00fcberzeugte Agroforstpraktiker hat vor vier Jahren mit der Schaffung eines Agroforstsystems auf 10 Hektar Fl\u00e4che begonnen. Leidenschaftlich, ehrlich und voller Enthusiasmus berichtete er von seinen Erfahrungen, Anf\u00e4ngerfehlern und auch R\u00fcckschl\u00e4gen. Das Agroforstsystem, also die Kombination und Bewirtschaftung von Ackerbau oder Dauergr\u00fcnland, mit oder ohne Tierhaltung, gemeinsam mit Geh\u00f6lzen auf einer Fl\u00e4che, bringt den Kreislauf in Gang und sorgt f\u00fcr Synergieeffekte. Damit ist es in seinen Augen das Kernelement einer zukunftsf\u00e4higen Landwirtschaft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Agroforst \u2013 Mehr als ein gepflanzter Baum<\/strong><br>Und Jan Gro\u00dfe-Kleimann, dessen im Wachstum befindlicher Agroforst bereits von Bundeslandwirtschaftsminister Cem \u00d6zdemir besichtigt wurde, z\u00e4hlt weitere Vorteile auf. F\u00fcr ihn ist sein Agroforstsystem bestehend aus Apfelb\u00e4umen, Werth\u00f6lzern wie Wildbirne und Getreide eine N\u00e4hrstoffpumpe und Erosionsschutz. Es unterst\u00fctzt beim Humusaufbau und der Grundwasserneubildung. Die Landnutzungseffizienz wird erh\u00f6ht, da im Vergleich zu Monokulturen eine Produktivit\u00e4tssteigerung pro Hektar und Fl\u00e4che zu erwarten sei. Die CO2-Speicherung ist durch die Geh\u00f6lze h\u00f6her als bei einj\u00e4hriger Ackerbaukultur. Nicht zu vergessen die h\u00f6here Sorten- und Artenvielfalt, unter anderem auch beg\u00fcnstigt durch das Anlegen von Bl\u00fchstreifen in den Baumstreifen. Die B\u00e4ume selbst sorgen f\u00fcr ein Mikroklima.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kleine Schritte der Ver\u00e4nderung<\/strong><br>Offen redete Jan Gro\u00dfe-Kleimann auch \u00fcber die Herausforderungen, insbesondere im finanziellen Bereich. \u201eOhne weitere Einnahmequellen wie der Schweinemast und der Energieerzeugung aus PV w\u00e4re die Finanzierung des Agroforstsystems und der notwendigen Pflegema\u00dfnahmen noch viel schwieriger als sie es sowieso schon ist.\u201c Gerade am Anfang eines Agroforsts braucht es andere finanzielle Quellen, denn B\u00e4ume produzieren nun einmal nicht direkt nach ihrer Pflanzung, sondern ben\u00f6tigen viel Pflege bis sie in einigen Jahren Ertr\u00e4ge liefern. Wer dann die Abnehmer*innen seien, k\u00f6nne er heute auch noch nicht wissen. Er sieht allerdings eine Riesenchance in der Direktvermarktung. Das Roggenmehl aus dem Agroforst vermarktet er schon heute direkt und \u00fcber einen lokalen B\u00e4cker.<\/p>\n\n\n\n<p>Sein Fazit: \u201eEs klappt nicht immer alles schnell und sofort, aber es sind die kleinen Schritte der Ver\u00e4nderung mit denen wir unser \u00d6kosystem in Schwung bringen k\u00f6nnen.\u201c Damit schlug er in die gleiche Kerbe wie eingangs Kleves B\u00fcrgermeister Wolfgang Gebing, der von den \u201evielen kleinen Sch\u00fcppchen\u201c sprach, die den gro\u00dfen Wandel erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Hintergrund<\/strong><br>Das Agroforst Reallabor ist als Transformationsprojekt Teil vom Projekt \u201aTransRegINT &#8211; Transformation der Region Niederrhein: Innovation, Nachhaltigkeit, Teilhabe\u2018. Es soll an die Region Niederrhein angepasste Agroforstsysteme beraten und ein regionales Netzwerk der verschiedenen Akteur*innen schaffen. Das Team Agroforst Reallabor begleitet die Umsetzungen wissenschaftlich, um Daten zu den \u00f6kologischen, \u00f6konomischen und sozialen Leistungen dieser Systeme zu erheben. Mit dem Projekt \u201aTransRegINT hat sich die Hochschule Rhein-Waal zum Ziel gesetzt, den nachhaltigen Wandel in der Region wissenschaftsbasiert mitzugestalten. Gef\u00f6rdert wird das Projekt durch das Programm \u201aInnovative Hochschule\u2018 des Bundesministeriums f\u00fcr Bildung und Forschung. Diese F\u00f6rderinitiative unterst\u00fctzt Hochschulen dabei, aus Forschungserkenntnissen kreative L\u00f6sungen f\u00fcr die dr\u00e4ngenden Herausforderungen unserer Zeit zu finden. Bis Ende 2027 wird \u201aTransRegINT\u2018 mit F\u00f6rdergeldern in H\u00f6he von knapp zehn Millionen Euro gef\u00f6rdert. Dies erm\u00f6glicht es, L\u00f6sungen zu erarbeiten, um die Zukunft in der Region im Sinne der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen zu gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: <a href=\"http:\/\/www.hochschule-rhein-waal.de\">Hochschule Rhein-Waal<\/a><\/p>\n\n\n<figure class=\"wp-block-post-featured-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"2560\" height=\"1920\" src=\"https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-scaled.jpg\" class=\"attachment-post-thumbnail size-post-thumbnail wp-post-image\" alt=\"\" style=\"object-fit:cover;\" srcset=\"https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-scaled.jpg 2560w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-300x225.jpg 300w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-768x576.jpg 768w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-510x382.jpg 510w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-1080x810.jpg 1080w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-1280x960.jpg 1280w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-980x735.jpg 980w, https:\/\/standort-niederrhein.de\/wp-content\/uploads\/2024\/11\/Klimawandelvortrag_\u00a9Luisa_Rottes_HSRW-480x360.jpg 480w\" sizes=\"(max-width: 2560px) 100vw, 2560px\" \/><\/figure>\n\n\n<p>Nach der Erkl\u00e4rung, wie das Wetter zu uns Zuschauer*innen kommt, erkl\u00e4rte Claudia Kleinert an der Hochschule Rhein-Waal, welche Folgen der Klimawandel unter anderem f\u00fcr den Niederrhein hat. | Foto: Luisa Rottes\/ HSRW<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kleve. Es war ein Vortragsabend, wie ihn auch die Hochschule Rhein-Waal (HSRW) nicht alle Tage erlebt: W\u00e4hrend sich Wettermoderatorin Claudia Kleinert \u00fcber die Gelegenheit freute, im H\u00f6rsaal der HSRW einmal auf der Rednerseite stehen zu k\u00f6nnen, wurden die circa 280 Besucher*innen von zwei in ihrer Perspektive sehr unterschiedlichen Vortr\u00e4gen zur Reflexion angeregt. \u00a0 Jan Gro\u00dfe-Kleimann, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":5197,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5196","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5196","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5196"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5196\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":5198,"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5196\/revisions\/5198"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/5197"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5196"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5196"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/standort-niederrhein.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5196"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}